Statement von Prof. Heinemann, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

 

Beitrag zur Diskussion des 6. Europäischen Salons „Die Europäische Union der Zukunft – Zwischen Vertiefung und Flexibilität“ von Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung:

Frage: Thema Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion: Welche weiteren Reformschritte sind im Lichte des Fünf-Präsidenten-Berichts aus Ihrer Sicht jetzt notwendig? Können Euro und Europäische Union ohne eine Politische Union überleben?

„Die Diskussion um eine europäische Fiskalunion krankt daran, dass zu viel über “Stabilisierung” und zu wenig über “Allokation” geredet wird. Aus makroökonomischer Perspektive werden europäische Budgets eingefordert, ohne besonders intensiv darüber nachzudenken, für welche Arten von Aufgaben Europa mehr Geld ausgeben sollte. Aus allokativer Sicht brauchen wir eine Diskussion darüber, wo Europa wirklich einen Mehrwert durch die Übernahme von ausgabeintensiven Politiken schaffen könnte. Denn nur dann, wenn ein größerer europäischer Haushalt durch einen solchen Mehrwert von Nutzen für alle Mitgliedstaaten ist, wird er auf Akzeptanz stoßen. Einseitig auf Stabilisierung gerichtete Konzeptionen werden immer unter dem Verdacht stehen, dass ein heimliches Transfersystem errichtet werden soll und daher keine Mehrheiten finden.“

Über Friedrich Heinemann

Prof. Dr. Friedrich Heinemann ist Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und öffentliche Finanzwirtschaft am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Außerdem ist er Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Europäische Integration, Berlin, und Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Europäische Politik (IEP), Berlin. Seine Forschungsinteressen gelten der empirischen Finanzwissenschaft und insbesondere Fragen der europäischen Integration, des Föderalismus und der Steuer- und Fiskalpolitik.

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